Eines der wichtigsten Probleme der ostdeutschen Wirtschaft ist ihr seit zwanzig Jahren andauerndes Verharren auf rund 70 % des Leistungsniveaus der westdeutschen Wirtschaft. In vielen ostdeutschen Bundesländern ist das Wachstum in den letzten Jahren schwach gewesen oder annährend zum Erliegen gekommen, so dass sich der Abstand zum Westen, besonders zu den südlichen, sehr wirtschaftsstarken Bundesländern, zunehmend vergrößert. Einer der identifizierten Gründe dafür ist das Fehlen einer ausreichenden Menge an Unternehmenszentralen, die für rund 30 % der Wertschöpfung verantwortlich zeichnen. Tatsächlich war Ostdeutschland, das frühere Mitteldeutschland, vor dem 2. Weltkrieg ein Krafthaus der Industrie, viele Unternehmen und Marken, die heute wie selbstverständlich als westdeutsch gelten, hatten hier ihren Ursprung. Diese Region war ausweislich der Statistik über die 1930er Jahre um rund 20 % reicher als das übrige Gebiet des Deutschen Reiches, so dass der aus historischer Sicht anzusetzende wirtschaftliche Nachteil annährend 50 Prozentpunkte beträgt.
Die ostdeutsche Wirtschaft steht auch deshalb unter Druck – genau wie die gesamtdeutsche – weil es an Unternehmensnachfolgern in der mittelständischen Industrie fehlt. Es wird damit gerechnet, dass in den nächsten zehn Jahren ein Drittel dieser Unternehmen ordnungsgemäß übergeben, ein Drittel verkauft und ein Drittel stillgelegt wird. Dadurch wird eine Strategie interessant, die versucht, durch Unternehmensbeteiligungen und -übernahmen die Konsolidierung von Unternehmen und Branchen zu forcieren. Tatsächlich reicht das endogene Wachstum, also das Wachstum aus eigener Kraft, nicht dazu aus, um an das westdeutsche Wirtschaftsniveau anzuschließen.
Das Vademecum gliedert sich in zehn Kapitel zu den folgenden Themen: Wachstumsbildung, Unternehmenskauf aus ökonomischer Sicht, Einbettung in den Wettbewerb, wirtschaftspolitischer Rahmen, Beschreibung der Wirtschaftsregion, Bedeutung von Technologie und Innovation, Humankapital und menschliche Interaktion und Risikomanagement widmen, ergänzt um eine juristische Betrachtung der Rahmenbedingungen des Unternehmenskaufs. Ein abschließendes Kapitel beleuchtet ein Spezialgebiet, nämlich die Internationalisierung von Unternehmen in China oder chinesischer Unternehmen in Deutschland, die beide aus mittelständischer Sicht ausgesprochen bedeutsam sind. Hier werden sowohl Fragen der Unternehmenskommunikation aufgeworfen als auch prototypische Beispiele vorgestellt.
Das Buch entstand Mitte der 2010er Jahre und nimmt die Perspektive der damaligen Zeit ein.