Der Sammelband Substitution, Recycling, Design und Nachhaltigkeit: Neue Wege der Werkstoffökonomik gibt eine Übersicht über die Institutionen-, Wettbewerbs- und technoökonomischen Fragestellungen, die in den vergangenen fünf Jahren in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) unter dem gemeinsamen Dach des Centers for Economics of Materials bearbeitet und beantwortet wurden. In die Forschung einbezogen war auch eine werkstoffwissenschaftliche Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften der Volksrepublik China zu Fragen der Kreislaufführung, die als Institutspartnerschaft von der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gefördert wurde.
In den ersten drei Beiträgen steht vor allem die volkswirtschaftliche Sicht auf Knappheit und Kreislaufführung im Vordergrund. In einem ersten Beitrag berichtet Ulrich Blum über das Konzept des Total Design Management©, also eine Zusammenführung von funktionalem Werkstoffdesign mit Recyclingmöglichkeiten im Sinne einer Kreislaufführung, aufbauend auf dem Konzept Materials Data Space. Ulrich Blum und Inéz Labucay analysieren im zweiten Kapitel Rohstoffstrategien unter der Bedingung strategischer Knappheit. Im dritten Kapitel gibt Ulrich Blum einen Überblick über die Forschung zum Thema Substitution und Recycling.
Die folgenden drei Kapitel befassen sich mit technologisch-betrieblichen Fragestellungen. Im vierten Kapitel entwirft XIAO Xinyi eine Systematik der beim Recycling benötigten Selektionsverfahren, also das Erstellen einer Merit Order, in die auch künftige Risiken im Sinne einer Realoptionsfragestellung eingehen. Im fünften Kapitel werden von CAI Wenfu, Ulrich Blum und Uwe Spohn Recyclingverfahren für kunststoffbasierte Verbundwerkstoffe präsentiert und bewertet. Anschließend untersucht ZHAO Yue die Liefer- und Wertschöpfungsketten und damit verbunden auch die notwendigen Informationsvoraussetzungen für den Materials Data Space (MDS©), der als digitaler Zwilling den Wertschöpfungsprozess begleitet.
Die anschließenden drei Kapitel beleuchten wieder darauf aufbauende volkswirtschaftliche Fragestellungen. Ulrich Blum und XIAO Xinyi analysieren im siebten Kapitel, welche Veränderungen in der Wettbewerbslandschaft durch die zunehmende Bedeutung von Informationen im Abfallmanagement entstehen könnten, insbesondere unter der Annahme, dass starke Netzwerkeffekte zu Plattformökonomien führen können, und sehen in der Amazonisierung des Recyclingmarkts ein ordnungsökonomisches Problem. Daran folgt im achten Kapitel eine Betrachtung der insbesondere für den Materials Data Space notwendige Standardisierung und Normung, die von Inéz Labucay verfasst ist. Die Frage, was geschieht, wenn eine erhebliche Kritikalität plötzlich verschwindet, analysieren Ulrich Blum und Zhong Jiarui am Beispiel des Erdöls und der saudischen Volkswirtschaft.
Schließlich geben Ulrich Blum und Ralf Wehrspohn im abschließenden zehnten Kapitel einen techno- und wirtschaftsstrategischen Ausblick. Als Projektleiter dieser Forschungen wünschen wir diesem Buch eine vielfältige Resonanz.