Rückblick auf die LithiumDays 2022
Nach der erfolgreichen Premiere 2021 traf sich vom 5. bis 7. Dezember 2022 erneut die internationale Lithiumszene in Halle zu den LithiumDays 2022. In Präsenz und online folgten 120 Teilnehmende den 30 inspirierenden und aufschlussreichen Beiträgen der Speaker. Vor Ort wurden zudem 15 Posterbeiträge vorgestellt und diskutiert. Austragungsort der LithiumDays 2022 war wie im Vorjahr das H+ Hotel Leipzig-Halle.
Tag 1: Einführung: Lithium am Scheideweg?
Den ersten Tag leiteten Vorträge rund um das Motto der Konferenz „Lithium at the Crossroads“ und die Frage ein, weshalb Lithium „am Scheidewege“ steht: Der globale wirtschaftliche Wettbewerb um Lithium hat begonnen, Lithium-Investitionen haben erhebliche und entscheidende Auswirkungen auf die Stabilisierung alter und die Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten hin zu einer vollelektrischen Gesellschaft. Im Zentrum stand damit eine Reihe von Fragen: Was sind die Wettbewerbsvorteile Deutschlands und Europas bei der Entwicklung der entstehenden neuen industriellen Kerne? Welchen Beitrag können die deutsche und europäische Innovationslandschaft leisten? Welche Auswirkungen hat der Inflation Reduction Act der USA, die zunehmende Multipolarität, was ist mit ESG, und was könnten zukünftige Marktbarrieren sein? Was bedeutet das Verbot des Verbrennungsmotors in der EU ab dem Jahr 2035, das enormen Druck auf die Zeitachse ausübt. Sind dies hinreichend klare Vorgaben für die Batterieindustrie? Dieser Zeitachse galt während der LithiumDays besondere Aufmerksamkeit.
Die LithiumDays 2022 standen unter dem Motto "Lithium at the Crossroads". Partnerland war die Republik Korea.
Staatssekretär Dr. Jürgen Ude sprach einführende Grußworte
Egbert Geier, Bürgermeister der Stadt Halle (Saale)
Prof. Dr. Christine Fürst, Prorektorin für Forschung, Internationalisierung und Transfer an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, bei ihrer Begrüßungsrede
Prof. Dr.-Ing. Markus Krabbes, Rektor der Hochschule Merseburg
Inhaltlich eröffnet wurden die LithiumDays 2022 von Prof. Ralf Wehrspohn vom Deutschen Lithiuminstitut
Dirk Harbecke, CEO von Rock Tech Lithium Inc., referierte über nachhaltige Lithium-Lieferketten in Europa
Podiumsdiskussion zum Status der Lithiumwirtschaft in Deutschland und Europa. Von links nach rechts: Dr. Tobias Elwert (BASF), Dirk Harbecke (Rock Tech Lithium Inc.), Prof. Ulrich Blum (ITEL) und Dr. Ulrich Wietelmann (Albemarle Germany GmbH)
Angeregte Gespräche auch in den Pausen zwischen den Vorträgen
Tag 2: Lithium – Gewinnung, Verwendung, Nachhaltigkeit
Partnerland der Konferenz 2022 war die Republik Korea, deren Perspektive am zweiten Konferenztag im Mittelpunkt stand. In der ersten Fachsession zur Anwendung von Lithium gab Prof. Dr. Seokgwang Doo vom Korea Institute of Energy Technology (KENTECH) tiefe Einblicke in die koreanische Batteriestrategie. Die Schlussfolgerung für die nächsten zehn bis 15 Jahre ist, dass Lithium in allen Batterien vorhanden bleiben wird, aber die ergänzenden anderen Elemente könnten sich ändern. Andere Hersteller von Lithium haben die gleiche Sicht auf diese Dinge. Allerdings kann die WTO nicht die Marktordnung gewährleisten, falls mit Bedrohungen auf dem globalen Lithiummarkt zu rechnen ist.
In der zweiten Sitzung zu Lithium-Vorkommen erläuterte das koreanische Unternehmen POSCO die koreanische Lithiumstrategie. Es beeindruckt zu erfahren, dass bereits im Jahr 2010 die Entscheidung getroffen wurde, in die Lithiumwirtschaft einzusteigen. Die Vision für 2030 ist es, 300 kT LCE, also 15 Lithiumhydroxid-Konverter zu bauen. Das ist in etwa die Anzahl der in Europa benötigten Konverter. Wie der koreanische Wirtschaftsattaché Sangmin Lee bereits am Vortag in seiner Begrüßung konstatiert hatte, steht die Welt vor den Herausforderungen der neuen multipolaren Ordnung und sollte enger zusammenarbeiten. Was er nicht sagte, war, dass Korea strategisch mindestens fünf Jahre voraus ist. Weitere Vorträge und Diskussionen dieser Sitzung widmeten sich unkonventionellen Lithiumquellen wie geothermisches Lithium oder Petrolithium, dem Fingerprinting und elektrochemischer Lithiumionengewinnung sowie Gewinnungsmöglichkeiten in der Region Tansania.
In der dritten Session erfolgte eine Vertiefung der Kenntnisse über ESG – ein wichtiges Thema für die Normung gemäß ISO/TC 333. Die Leiterin der Arbeitsgruppe bei der ISO für das Thema Nachhaltigkeit, Dr. Anne Wendt, war digital anwesend. Ein Vorschlag für die Einbettung der ESG-Kriterien in das allgemeine Unternehmensrating wurde von Prof. Dr. Werner Gleißner (FutureValue Group AG) und Prof. Dr. Ulrich Blum (ITEL) entwickelt.
In der vierten Sitzung wurden verschiedene Technologien zur Lithiumgewinnung vorgestellt. Prof. Dr. Bernd Friedrich von der RWTH Aachen und Prof. Dr. Bengi Yagmurlu von der TU Clausthal präsentierten den Forschungsstand zu neuen Lithium-Gewinnungstechnologien aus Batterieschrott. Die GEA Messo GmbH präsentierte die Technologie des ersten deutschen Lithiumkonverters in Guben aus Spodumen, und Dr. Claudia Pudack (KBR Sustainable Technology Solutions) stellte die Extraktionstechnologie aus Solen vor. Prof. Dr. Wolfgang Voigt (TU Bergakademie Freiberg) präsentierte das von Rock Tech Lithium Inc. patentierte Nitratverfahren, und Dr. Victoriia Raks von K-UTEC AG Salt Technologies stellte fest, dass die Lithiumanalytik ein wichtiger Bestandteil der Forschung sein muss.
Pöllmann-Preis und Partner 2023
Im Rahmen der LithiumDays 2022 wurde am 6. Dezember erstmals der Herbert-Pöllmann-Preis für herausragende Promotions- und Habilitationsschriften im Bereich Ressourcen- und Werkstoffökonomik verliehen. Erster Preisträger war Prof. Dr. Daniel Vollprecht von der Universität Augsburg, der zu Speichermineralien forscht.
Anschließend wurde eine Delegation aus Usbekistan als Partner der LithiumDays 2023 begrüßt. Usbekistan hat noch nicht mit dem Abbau von Lithium begonnen und ist auf der Suche nach Partnern.
Sangmin Lee, Wirtschaftsattaché der Republik Korea, eröffnete die LithiumDays 2022 für das Gastland
Sangmin Lee und Prof. Dr. Seokgwang Doo, Vertreter des Gastlandes Korea, mit Prof. Ralf Wehrspon vom ITEL
Prof. Dr. Chinho Park, Vizepräsident des Korea Institute of Energy Technology (KENTECH), nahm per Videoschalte an der Konferenz teil
Wissenschaftliche Beiträge im Posterformat informierten über den Forschungsstand zu unterschiedlichsten Lithiumthemen
Angeregter Austausch zwischen den Vorträgen
Erstmals wurde der Herbert-Pöllmann-Preis verliehen. Preisträger 2022 ist Prof. Dr. Daniel Vollprecht
Im Rahmen der LithiumDays 2022 wurden zwei neue ITEL-Fellows ernannt: Prof. Dr. Peter Grösche...
...sowie PD Dr. Stefan Stöber
Gastland der LithiumDays 2023 wird Usbekistan sein. Eine usbekische Delegation, darunter Wirtschafts- und Handelsattaché Noyobjon M. Akhmadjonov, war bereits in diesem Jahr zu Gast
Angela Papenburg von der GP Papenburg AG im Gespräch mit Prof. Ulrich Blum und ITEL-Fellow Prof. Ingo Pies
120 Teilnehmende zählten die LithiumDays 2022...
...Der Großteil nahm in Präsenz teil, eine Online-Teilnahme war ebenfalls möglich
Yvonne Zilke (Stadtmarketing Halle) sowie Dr. Maria Gaudig (ITEL) verantworteten die organisatorische bzw. inhaltliche Gestaltung der LithiumDays 2022
Tag 3: CO₂-Neutralität und Kreislaufwirtschaft
Am folgenden Mittwoch war die fünfte Fachsession dem Weg zu einer CO₂-neutralen Produktion gewidmet. Vier Beiträge zeigten dahingehende Fortschritte. Prof. Dr. Andreas Löschel (Ruhr-Universität Bochum) stellte den neuesten IPCC-Bericht und dort insbesondere die Transformationsstrategien vor. Positive Risiken („upward risks“) durch Innovation gehören nicht dazu, was als erhebliche Auslassung der Studie zu bewerten ist. Die Roadmap zu einer Wasserstoffinfrastruktur wurde dann von HYPOS Hydrogen Power Storage & Solutions, dem Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV) und der GP Joule GmbH vorgestellt.
Die abschließende sechste Session rundete das Themenfeld mit Vorträgen zur Kreislaufwirtschaft, zum Lithium-Recycling und zu den Nebenprodukten ab. Nicolas Ballester vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) stellte den aktuellen Stand der Technik der Kreislaufwirtschaft vor. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) präsentierte die erforderlichen Schritte zur Verwendung von Nebenprodukten in der Bauindustrie und thematisiert damit die Frage, wie schnell alle Genehmigungen für die Verwendung von Reststoffen in Nebenprodukten erteilt werden können. Dr. Andreas Ehrenberg vom FEhS – Institut für Baustoff-Forschung diskutierte die Schlacke aus der Stahlindustrie, und Dr. Tobias Elwert von der BASF sowie Dr. Nils Wieczorek von der Stiftung GRS Batterien die Perspektiven ihrer Unternehmen zum Batterierecycling.
Dank
Gerne lädt Sie das ITEL Sie ein, im kommenden Jahr wieder dabei zu sein. Die nächsten LithiumDays werden vom 4. bis 6. Dezember 2023 zusammen mit unserem Partnerland Usbekistan in Halle stattfinden. Dank für die Tagung gilt unseren Sponsoren Rock Tech Lithium, GP Papenburg AG, Knauf Gips KG, Basalt-Actien-Gesellschaft, Schwenk Zement GmbH & Co. KG, GEA und KBR. Ebenso herzlich danken wir dem Team des H+ Hotels, der Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH, dem Technikteam von Xscreen, dem Programmkomitee, allen Referenten sowie dem ITEL-Team für die gelungene Umsetzung der Tagung, insbesondere Yvonne Zilke (organisatorische Leitung) und Dr. Maria Gaudig (Leiterin Programmkomitee).